Interview mit Bianka Stöcker

Bei der Jugendwallfahrt am 12. Mai sind ab 15 Uhr „Speichelproben-Spender“ willkommen

Bianka Stöcker ist am 12. Mai vor Ort am Bogenberg und steht zusammen mit ihrem Team für Fragen zur Verfügung.

Bianka Stöcker weiß, wovon sie spricht, wenn es um das Thema Blutkrebs, Typisierung oder Stammzellenspende geht. Vor knapp 20 Jahren war sie selbst an Leukämie erkrankt und auf eine rettende Spende angewiesen. Auf ihr Zutun wurde 1997 der Aktionskreis „Hilfe für Leukämiekranke“ ins Leben gerufen. Dieser hat es sich zum Ziel gemacht, mitzuhelfen, dass möglichst viele Typisierungen vorgenommen werden können, um auch Erkrankten Hoffnung auf Heilung zu geben. Im Interview gibt die Bogenerin Antwort auf häufig gestellte Fragen sowie einen Einblick in ihr ehrenamtliches Handeln.

Frau Stöcker, das Wichtigste vorweg: Der Krebs konnte bei Ihnen besiegt werden. Wie geht es Ihnen heute rund 20 Jahre nach der Erkrankung an Leukämie?

Bianka Stöcker: Mir geht es gut. Natürlich sind aufgrund der umfangreichen Behandlungen auch Nebenwirkungen und Folgebeschwerden entstanden. Die hat aber eigentlich jeder und sie sind gut behandelbar.

Was genau ist Leukämie?

Stöcker: Leukämie ist weder ansteckend noch vererbbar. Der sogenannte Blutkrebs ist aber eine lebensbedrohliche Krankheit. Leukämiekranke haben zu viele weiße Blutkörperchen. Diese verdrängen aufgrund ihrer Überzahl die anderen Blutbestandteile und verlieren somit ihre Fähigkeiten, Krankheitserreger abzuwehren. Als Folge davon bricht das Immunsystem zusammen.

Wie wird diese Krankheit behandelt?

Stöcker: Wenige Arten der Leukämie können durch Chemo- und Strahlentherapie unter Kontrolle gehalten oder gar geheilt werden. In den meisten Fällen ist eine Blutstammzelltransplantation die einzige Möglichkeit, den Erkrankten vor dem Tod zu bewahren. Für die Transplantation benötigt man einen geeigneten Spender, dessen Gewebemerkmale mit dem des Erkrankten übereinstimmen. Oft findet man diesen unter Geschwistern. Steht jedoch kein Spender in der Familie zur Verfügung, beginnt die Suche im Zentralen Knochenmarkspenderregister für Deutschland (ZKRD) mit Sitz in Ulm. Dort existiert eine Datenbank, die Ärzten weltweit zur Verfügung steht.

Die spezifischen Daten gehen in der Regel aus Typisierungen hervor. Wer kann sich typisieren lassen und was genau wird bei so einer Aktion gemacht?

Stöcker: Alle gesunden Personen im Alter zwischen 17 und 55 Jahren können sich typisieren lassen. Nach Abgabe einer Einverständniserklärung wird eine Speichelprobe abgegeben. Also eine ganz kurze und schmerzlose Sache. In einem Speziallabor werden schließlich die ersten Gewebemerkmale bestimmt. Wer einmal an einer Typisierungsaktion teilgenommen hat, bleibt bis zur Vollendung des 61. Lebensjahres als möglicher Spender anonymisiert registriert.

Angenommen, man kommt als potenzieller Spender infrage: Was wird beim Eingriff entnommen?

Stöcker: Umgangssprachlich ist oft davon die Rede, dass jemand sein Knochenmark spendet. Das stimmt so nicht ganz, denn eigentlich handelt es sich um eine Blutstammzellenspende. Knochenmark ist ein Gewebe, das sich überwiegend im Beckenkamm des Hüftknochens befindet. Das Knochenmark – nicht zu verwechseln mit dem Rückenmark – ist der Ort der Blutbildung, in dem sich die Stammzellen befinden. Aus diesen Zellen entstehen in mehreren Schritten weiße und rote Blutzellen sowie Blutplättchen. Beim gesunden Menschen ist das Knochenmark im Überfluss vorhanden. Mittlerweile spricht man allgemein von Blutstammzellspende, da es sich sowohl bei der Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm als auch bei der Entnahme aus dem peripheren Blutkreislauf um Blutstammzellen handelt.

1997 wurde von Ihnen der Aktionskreis „Hilfe für Leukämiekranke“ ins Leben gerufen. Schirmherr und Mitglied dieser Interessengemeinschaft von Betroffenen, Angehörigen, Freunden und Bekannten ist Bogens Bürgermeister und stellvertretender BRK-Kreisvorsitzender Franz Schedlbauer. Seit all der Zeit wurde viel Aufklärungsarbeit betrieben. Spendenaktionen und Typisierungen wurden organisiert. Ein Resümee Ihrerseits dazu …

Stöcker: Ja, wir haben in der Tat viel bewegt. Bisher konnten wir sowohl durch unsere eigenen als auch durch Beteiligungen an anderen Typisierungsaktionen sowie Finanzierungen von Einzeltypisierungen etwa 16 000 Personen als potenzielle Knochenmark- beziehungsweise Blutstammzellspender gewinnen. Wir wissen bis jetzt von über 150 bis 200 Knochenmark- beziehungsweise Blutstammzellspenden, wie viele davon aus unseren Aktionen gekommen sind, ist aufgrund der Anonymisierung schwer nachzuvollziehen. Bei einer Trefferquote von 1:50000 ist das aber schon ein großer Erfolg, über den wir uns sehr freuen können.

Am Samstag, 12. Mai, kann man sich ab 15 Uhr im Pfarrheim auf dem Bogenberg kostenlos typisieren lassen. Was muss beachtet werden?

Stöcker: Etwa 30 Minuten vor der Abgabe der Speichelprobe sollte nichts gegessen oder getrunken werden, ebenso kein Kaugummi gekaut oder geraucht werden.

Die Aktion läuft parallel zur Jugendwallfahrt.

Stöcker: Das ist richtig, wir wollen dabei auch viele junge Menschen ansprechen, die uns auf der Suche nach Blutstammzellspendern für Leukämiekranke unterstützen. 1999 starteten wir schon mal bei der Jugendwallfahrt eine Typisierung, an dieser Aktion nahmen knapp 150 Menschen teil – ein sehr erfreuliches Ergebnis, auf das wir auch heuer wieder hoffen.

Interview + Foto: Claudia Sprenger

Kontakt: Aktionskreis „Hilfe für Leukämiekranke“, Bianka Stöcker, Bogen, Telefon 09422/2942; www.leukaemiehilfe.de


Bogener Zeitung | Landkreis Straubing-Bogen | 07.05.2018